

Trotz Finanzkrise nachhaltig investiert
Empfang bei Gewerbeverein und Gemeinde Pfinztal
Belebung der Ortskerne ist für 2011 wichtiges Thema
Pfinztal. Zuversicht ist der Begleiter ins Jahr 2011 in Pfinztal. Darauf lässt die Stimmung beim Neujahrsempfang schließen, zu der der Harmonikaring Berghausen musikalisch beitrug. Vor dem Gewerbeverein, der den Empfang wie immer ausrichtete, liegen einige wichtige Aufgaben. Vorsitzender Steffen Hauswirth hob darauf ab, dass das Gewerbe in den Orten, namentlich die Unternehmen, die für die Grundversorgung der Menschen, die Nähe zu den Verbrauchern sorgen, unverzichtbar sind.

Die Gemeinde brauche nach wie vor, auch wenn sich die Situation durch Einkaufszentren und größere Verbrauchermärkte verändere, belebte Ortskerne mit Geschäften, die die Einwohner zu Fuß erreichen. Attraktivere Ortskerne, Einkaufsmöglichkeiten im Ort erhalten und schaffen und mehr innerörtliche Parkmöglichkeiten sind die Themen, denen sich der Gewerbeverein Pfinztal dieses Jahr besonders intensiv widmen will, sagte Steffen Hauswirth.
Dazu brauche es die Zusammenarbeit von Gewerbeverein, Rathaus und Gemeinderat. Der Pfinztaler Geschenkgutschein, mit dem der Gewerbeverein Kaufkraft im Ort halten will, sei gut angenommen worden. Seit November vorigen Jahres wurden Gutscheine im Wert von über 20 000 Euro gezeichnet, die Hälfte davon wurde bisher eingelöst.
Die Gespräche, um die Ansiedlung neuer Einkaufsmärkte, in die der Gewerbeverein seit dem vorigen Jahr einbezogen ist, werden weitergeführt, um eine gute Lösung zu erreichen, versicherte Bürgermeister Heinz E. Roser. Er freue sich jedes Jahr auf diesen Empfang, der eine gute Gelegenheit für einen interessanten Austausch auf breiter Ebene biete.
Schneller als erwartet habe sich die Wirtschaft erholt, sagte Roser. In Pfinztal wurde dies darin spürbar, dass die Arbeitslosenzahl im Ort um ein Drittel sank (im Januar vorigen Jahres noch 389 Personen, im Dezember 261).

Dennoch könne die Krise für die Kommunen noch nicht abgehakt werden, meinte der Bürgermeister. Bei den Kommunen gehe das nicht so schnell, die Verzögerung betrage zwei Jahre. Grundsätzlich müsse die Finanzausstattung der Kommunen geändert werden. Wenn andere – Bund und vor allem das Land – Aufgaben an Städte und Gemeinden übertragen, müssen sie diese dafür finanziell besser ausstatten.
Darin liege ein großes Problem. Viele Aufgaben, die in die Zukunft wirken, müssten über Kredite finanziert werden, weil die Lasten nicht fair verteilt seien. „Wir machen nicht gerne Schulden, um Wichtiges zu finanzieren“, sagte der Bürgermeister. Gleichwohl habe die Gemeinde auf vielen Feldern investiert: Wärmeversorgung über regenerative Energien, Stromgewinnung durch Wasserkraft, Sanierung Hallenbad, Schulsozialarbeit, energietechnische Sanierung öffentlicher Gebäude –alles nachhaltige Investitionen, so Roser.
Dietrich Hendel, BNN, Hardt, Ausgabe vom 24.01.2011

Gastredner Prof. Dirk Solte im Gespräch mit Rachel Hauswirth, Steffen Hauswirth (Vors. Gewerbeverein Pfinztal), Monika Roser und Bürgermeister Heinz E. Roser (v.l.n.r.)

Wirtschaftsingenieur und Wissensforscher Dirk Solte zur massiven Überschuldung der Welt
Pfinztal. Die Nachhaltigkeit, die im Kleinen schon schwierig erscheint, ist im Großen, im Globalen ein massives Problem. Das zeigte Dirk Solte als Gastredner des Abends auf.
Solte, promovierter Wirtschaftsingenieur und stellvertretender Vorstand des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW) in Ulm, wies nach, dass es Probleme auf den Feldern Ökologie, Ökonomie und Soziales gebe, weil es nicht gelinge, so viel Wertschöpfung zu erreichen, dass alle daran teilhaben und ihren Bedarf decken können.
Die Ressourcen seien endlich, die Flächen begrenzt, aber die Anzahl der Menschen, die die Erde bevölkern, wächst. Gleichzeitig gelinge es nicht, die notwendigen Investitionen in Bildung, Gesundheit, Sozialsysteme – Solte fasst das unter dem Begriff Kultur – zu erbringen. Ursache: Die Wertschöpfung werde nicht für den Ausbau der Kultur verwendet, sondern konsumiert. Da die Wertschöpfung also nicht den Bedarf decke, werde Notwendiges über Kredite finanziert, für die es unter dem Strich keinen echten Gegenwert gebe.
Über Kredit und Schulden werde vielmehr für die Zukunft eine Wertschöpfung versprochen. Unklar sei, ob und wie ein solches Versprechen gehalten wird. Die Wertschöpfung in der Zukunft sei also mit einem hohen Risiko belastet. Nachhaltigkeit, sprich die gleichwertige Nutzung durch folgende Generationen, bleibe auf der Strecke. Das gesamte System der Welt sei überschuldet.
Als Lösung sieht Dirk Solte – was gewissermaßen der Zerschlagung des gordischen Knotens durch die Quadratur des Kreises gleich kommt – nur die Chance, einen globalen Weg zu beschreiten, um eine sanfte Entschuldung zu erreichen. Alle müssten sich beteiligen, die Wertschöpfungsfähigkeit zu erweitern. Die Mittel dazu könnten aus einer Reform des Steuersystems kommen.
Dazu müsste das System der Steuerbemessung global harmonisiert werden. Und es müssten alle Möglichkeiten ausgeschlossen werden, bei denen irgendjemand die Möglichkeit hat, seine Steuer zu mindern. Oder im Klartext: Einheitliches Steuersystem ohne jegliche Schlupflöcher.
Dietrich Hendel, BNN, Hardt, Ausgabe vom 24.01.2011

Für die gelungene musikalische Umrahmung des Abends sorgte das Erste Orchester des Harmonikarings Berghausen unter der Leitung von Ralf Schwazien.