Neujahrsempfang Pfinztal 2010

Pfinztaler sollen Geld im Ort ausgeben

Früherer Finanzminister Gerhard Stratthaus:
„Wir werden die Krise überwinden“

Gewerbeverein richtet das alljährliche Treffen aus

Pfinztal. Bisher verhältnismäßig recht gut scheint Pfinztal die Finanz- und daraus resultierende Wirtschaftskrise überstanden zu haben. „Keiner unserer Mitgliedsbetriebe musste im vergangenen Jahr schließen“, sagte Steffen Hauswirth, der Vorsitzende des Gewerbevereins Pfinztal, als er den Neujahrsempfang eröffnete. Zahlreiche Gäste aus der großen und kleinen Politik, der Verwaltung und der Geschäftswelt wohnten dem Empfang, mitgetragen von der Gemeinde und musikalisch begleitet vom Swing Quartett, im katholischen Gemeindezentrum in Söllingen bei.

Dass sich ein launiger und trotz der angesprochenen Probleme unterhaltsamer Abend entwickelte, lag mit am Gastredner Gerhard Stratthaus, vormals baden-württembergischer Finanzminister und derzeit Mitglied im Lenkungsausschuss „Finanzmarktstabilisierungsfond“. Den Kontakt zu Stratthaus stellte sein CDULandtagskollege Werner Raab her, Abgeordneter des Wahlkreises Ettlingen, zu dem Pfinztal gehört. Im Lenkungsausschuss geht es um Milliarden, in Pfinztal um Millionen. Hier wie dort steht ein Punkt ganz oben auf der Agenda: Die Folgen der Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen.

Kein rosiges Bild zeichnete Bürgermeister Heinz Roser für die nächsten Monate. „2010 treffen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise mit voller Wucht die Gemeinden – und damit auch Pfinztal.“ Immerhin, seit geraumer Zeit arbeiten Verwaltung und Wirtschaft in der Gemeinde enger zusammen. Beide wollen die Kaufkraft in Pfinztal steigern. Oder anders ausgedrückt: Die Pfinztaler sollen ihr Geld in Pfinztal ausgeben. Richtig viel Geld wiederum hat der Staat in den vergangenen Monaten in die Hand genommen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. „Ein richtiger Schritt“, betonte Stratthaus. Gleichzeitig mahnte er, so schnell wie möglich aus der horrenden (Staats-)Verschuldung auszusteigen. „Wir müssen aufpassen, dass durch die Verschuldung nicht eine Blase entsteht, gegen die die Blase von 2008 nur ein Bläschen ist.“ Momentan sei zu viel Geld im Umlauf. Das wiederum könne eine Inflation fördern.

So ziemlich alle Register zog der Finanzexperte bei seinem Exkurs über die Entstehung der Finanzkrise. Er sprach unter anderem von falschen „Anreizsystemen“ von und für Banker, von einer durch hohe Verschuldung bedingten Krise und von den Verflechtungen der Weltwirtschaft: „Kaufen die Amerikaner weniger Billig-Kleider aus China, produzieren die Chinesen weniger und benötigen somit keine neuen Maschinen aus Baden-Württemberg.“

Was künftig gebraucht werde, seien eine Kultur der Mäßigung, internationale Reglementierungen und mehr gesunder Menschenverstand. Und der frühere Landesminister und Finanzexperte Stratthaus strahlte Zuversicht aus: „Wir werden die Krise überwinden.“

BNN / Klaus Müller






Fotos: Emil Ehrler